Die perfekte Maschine - Teil 1
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Tags: kunst, philosophie, strange, theorie
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Es gibt zwei Arten von Menschen, jene die Einfache Sachverhalte mit komplizierten Worten beschreiben und jene, die komplizierte Sachverhalte mit einfachen Worten beschreiben. Erste nennt man Wissenschaftler, Letztere nennt man Laien. Eine Ausnahme gibt es jedoch (es gibt immer eine Ausnahme): Jene, die einfache Sachverhalte mit einfachen Worten beschreiben. Wir kennen sie als Propheten, Poeten, manchmal Philosophen, ab und zu Denker, oftmals auch Kinder. Die Ausnahmeform trifft das was die beiden zuvor genannten Gruppen glauben oder zu wissen meinen nie ganz, doch sie bleiben den meisten Menschen am längsten in Erinnerung. Eine Zwischenform sind Gleichungen, Märchen, Fabeln, Anekdoten und bildliche Erklärungen.
Eigentlich sollte diese Ausnahme Form jedoch die Regel sein. Denn das, was wir als Erfindungen oder Visionen bezeichnen ist in den meisten Fällen nichts anderes als Kombinationen dessen, was zu dieser Zeit schon bekannt war. Denken Sie dabei an die Wirkung des Wasserdampfes. Wasser dehnt sich bei der Umwandlung in Dampf extrem aus. Befindet es sich dabei in einem Behälter mit einem Loch, so entweicht es diesem mit hohem Druck. Dieses Wissen war schon seit der Antike bekannt. Doch, bis man die Energie des Wasserdampfes nutzbringend einsetzt (z.B. für die Dampflok), vergingen hunderte von Jahren. Ein anderes Beispiel ist der Hohlspiegel. Auch seine Nutzung war seit der Antike bekannt. Doch wird er bis heute nicht wirklich nutzbringend eingesetzt.
Noch ein Beispiel: Denken sie an den Film Matrix. Die Technik welche verwendet wurde, um die Darsteller in der Luft stehen zu lassen, während sich die Kamera scheinbar um sie herumbewegt, ist nicht gerade neu. Um genau zu sein, wurde sie bereits von Edward Muybridge verwendet, um seine berühmten Bewegungsstudien eines laufenden Pferdes zu erstellen. Damals verwendete er eine Reihe von Kameras, welche er in Reihe stellte. Bei seinen ersten Versuchen dieser Art verwendete er noch Leinen, die über die Rennbahn gespannt waren und die Kamera auslösten, sobald das Pferd sie beim Laufen zerriss.
Hier sollte man auch bedenken, dass Erfindungen nicht der Person zugeschrieben werden, welche die Idee hatte, sondern jener Person, welche die Idee durchsetzte. Ich bin mir sicher, dass jeder Mensch in seinem Leben eine ganze Reihe von Erfindungen macht. Diese werden aber in den meisten Fällen nicht weiter verfolgt. Einer der Gründe dafür ist der (mir verhasste) Gedanke „Wenn es so einfach wäre, hätte man es schon längst erfunden.” Ich kann ihnen versichern: Dem ist definitiv nicht so! Jene Spezialisten, von denen wir erhoffen, dass sie die Lösung unserer Probleme finden, sind meist nichts anderes als Fachidioten. Dies ist nicht böse gemeint, denn es braucht diese Menschen. Ohne Fachidioten keine Fachwelt. Ich bin immerhin selbst ein Fachidiot in meinem Bereich.
Wichtig ist hier, dass man nicht verlernt, Kind zu sein. Diesen Spruch haben sie sicher schon oft gehört und wahrscheinlich genau so oft nicht beachtet. Wohl deshalb, weil man mit Kindsein nicht das verbindet, was nötig ist, um große Erfindungen zu machen. Dann lassen sie uns mal einen Blick auf die erfolgreichsten Unternehmen der New Economy werfen. Sehen wir nach was es braucht, um ein Erfolgsmensch zu sein, der die Welt einen Schritt weiter bringt:
- Google - legt einen Index des Internets mittels Bots an.
- Amazon - verkauft Bücher und anderen Kram mit Hilfe von Bezugswolken die Kundenkäufe mit Kundenwünschen verbinden.
- Wikipedia - ist eine Datenbank, in die man Daten eintragen kann.
- Linux - ist ein System, das man programmieren darf.
- Weblogs/Blogs - sind Tagebücher online.
- eBay - ein Online-Flohmarkt.
Ich glaube sie sehen, dass man nicht Platon sein muss, um etwas zu erschaffen, das Millionen von Menschen ein besseres Leben ermöglicht (immer mit dem Potenzial auch ein schlechteres zu ermöglichen).
Nun komme ich zum eigentlichen Inhalt meines Beitrags:
Die perfekte Maschine besteht zwingend darin, dass sie fehlerhaft ist. Dabei impliziert sie „alles, was möglich ist” - folgen wir Wittgenstein, dann enthält diese Maschine also die gesamte Welt, welche aus allem besteht, „was der Fall ist”. Agamben folgend ist dies auch jenes, was nicht der Fall ist - in der Form des „eingeschlossenen Ausgeschlossenen”. Will heißen: Wenn etwas „nicht der Fall ist” das ist es „der Fall, dass es nicht der Fall ist”. Ich möchte hier noch anmerken, dass ich Wittgenstein zwar mag, aber seine Aussagen nicht mag. Wie er selbst spät erkannte, sind seine Aussagen fehlerhaft, auch wenn sie für den Alltag des täglichen Lebens durchaus funktional sind. In gewisser Weise könnte man sagen, das Sein nichts anderes als eine Modalität, eine Eigenschaft ist. Etwas muss in der einen oder anderen Weise der Fall sein, um es in unsere Welt zu bringen (man merkt schon - Wittgenstein hat sich mit Sprache beschäftigt. Es handelt sich also um eine Welt, die in Form von Begriffen erschlossen wird). Dies betrifft jedoch nicht das Objekt als solches (was auch immer das sein mag und worin auch immer sein „Sein” bestehen mag). Hier greife ich nochmals auf Agamben zurück und erwähne das „ausgeschlossene Eingeschlossene” - also das Beispiel. Da man über das Beispiel ein Objekt auf den Sockel stellt und es daher aus der Gruppe der gleichen Objekte heraushebt, wird es ausgeschlossen - dabei aber auch eingeschlossen. Agamben übersieht hierbei einige, wie ich meine, doch recht offensichtliche Fehler in seiner Definition. Denn das Beispiel erzeugt eine Gruppe, auf die es zutrifft. Zudem projiziert es das Beispiel zwar auf ein herausgenommenes Objekt, erzeugt damit jedoch ein drittes Objekt, welches über dem Beispielobjekt und den Objekten der Gruppe steht. Das Beispiel erzeugt das virtuelle Beispielobjekt, welches aus nichts anderen als den Modalitäten des Beispiels besteht. Hierdurch ist das Ausgeschlossene jedoch nicht, wie Agamben meint das Objekt, welches vom Beispiel „beziffert” wird, sonder die Modalität, unter deren Vorzeichen das Objekt als Beispiel präsentiert wird. Betrachtet man ein beispielhaftes Objekt, so betrachtet man eben nicht das Objekt, denn dieses verschwindet hinter dem Beispiel bzw. den Modalitäten des Beispiels, welche das virtuelle Objekt erschaffen - und dieses betrachtet man eigentlich.
Für unsere perfekte Maschine und die Einfachheit der Gedanken der Erfindung ist dies in folgendem Maße interessant: - Ich referiere hier auf McLuhan und Hunter, indem ich diese Modalitäten, welche die zu erschließenden Eigenschaften des Seines (also jenes „der Fall” seines) sind, als Brücken bezeichne. Einfach gesprochen: Da es sich um Modalitäten handelt, treten diese zwingend als Relationen auf - in dieser Form kann man sie als Brücken von der Maschine zur Umwelt betrachten. Wie Hunter nun richtig anmerkt, handelt es sich bei diesen Brücken nicht um simple Verbindungen, sondern um Pfade der kulturellen Interaktion, um Nährböden des Wachsens kreativer Auseinandersetzung. Die Maschine kann also nicht anders als sich im Umgang mit der Welt zu verändern und sich dieser anzupassen. In der Form unseres stumpfen Blicks auf die Welt sehen wir diese Anpassungen jedoch meist als „Abnutzungen” oder „Verschleiß” an. Erst seit Kurzen kommt man in (relativ begrenztem Maße) darauf, zu erkennen, dass dieser Verschleiß die natürliche Form der Interaktion mit der Umgebung ist und daher einen Vorteil und keinen Nachteil darstellt.
Der perfekten Maschine ist also der Verschleiß immanent. Ich bitte sie nun, diese Aussage nicht mit jener der Futuristen zu verwechseln. Jene hatten eine doch recht absurde Vorstellung des Nutzens dieses Verschleißes. Auch sollten sie hier weder an den Darwinismus noch an die „Knautschzone” denken. Verbinden sie meinen Gedanken lieber mit der Erkenntnis der Computerprogrammierer, welche nach (gefühlten) Ewigkeiten, dennoch zur Einsicht gekommen sind, dass Computer Fehler machen. Nicht weil sie falsch programmiert sind, sondern weil sie Computer sind. (Als Anmerkung am Rande: Bisher hat sich noch niemand ernsthaft der Frage gestellt, was die für die Asimov´schen Gesetze der Robotik bedeutet)
Der perfekten Maschine ist jedoch auch die Offenheit immanent. Dies in der oben beschrieben Form der Latenz. Alles ist dann eingeschlossen, wenn es in Form des Ausschlusses eingeschlossen ist, nicht jedoch, wenn es in Form des Einschlusses ausgeschlossen ist. Die perfekte Maschine darf also nicht „zum Beispiel” sagen. Somit sind Menschen also keine perfekten Maschinen. Was würde wohl ein Theologe von diesen Aussagen halten? Gesetzt den Fall Gott wäre eine perfekte Maschine - dann würde das Bedeutete, das er Fehler macht, aber keine Beispiele setzen darf. „Keine Beispiele” bedeutet auch „keinen Plan”. Denn ein Plan ist bereits ein Beispiel.
Sie werden sich nun vielleicht Fragen, wie man sinnvoll handeln kann, ohne einem Plan zu folgen. Die Antwort hierauf ist relativ einfach: Menschen folgen keinen Plänen. Würde sie dies tun wollen, so müssten sie einen Plan haben, der in der Zukunft bereits besteht und die Möglichkeit haben diesen Plan in der Zukunft zu lesen. Ich nehme an Sie halten von dieser Sci-Fi Idee genau so wenig wie ich. Pläne liegen nicht in der Zukunft, sondern in der Vergangenheit. In der aktuellen Lage versuchen wir dann, jeweils die Pläne an die Gegebenheiten und nicht die Gegebenheiten an die Pläne, anzupassen. Zeigen sie mir ein Haus, das so gebaut ist, wie es im Plan steht. Andernfalls folgen wir lieber der guten alten Weisheit: Kein Plan überlebt die erste Feindberührung!
Wir haben also nun zwei Elemente der perfekten Maschine (endschuldigen sie die Kürze der Darstellung dieser beiden Elemente aber dies ist ein Blog und kein Buch - daher habe ich keine 300 Seiten Platz um alle relevanten Informationen darzubringen. Es ist mehr ein Denkanstoß).
Element drei der perfekten Maschine ist die Heterogenität seiner Teile. Auch hier wohl wieder eine Überraschung. Sollten Zahnräder nicht ineinander passen? Das Ja, und das werden sie auch, doch sie werden es als Geste der Maschine und nicht als deren Grundlage. Denken sie hier an die Muskeln in unserem Gesicht. Auf den ersten Blick erkennt man, dass sie am besten dazu geeignet sind gegeneinander zu arbeiten. Zudem handelt es sich um viele einzelnen Muskeln mit jeweils völlig anderen Eigenschaften und Aufgaben. Ihr Zusammenwirken um nun eine Mimik zu erzeugen ist nicht ihre Grundlage sondern ihre Geste. Sie können gerne versuchen mit ihren Rückenmuskeln zu lächeln, falls Sie es schaffen, schicken sie mit Bitte ein Foto (das muss ich gesehen haben).
Man mag immer Wasser als das Vorbild der perfekten Maschine gesehen haben: gleichmäßig, anpassungsfähig und verschließfrei. Diese Art der Maschine mag vielleicht für Bruce Lee interessant sein. „Fülle Wasser in ein Glas und es wird das Glas!”. Stimmt schon, aber zerbreche das Glas und das Wasser liegt da wie ein Häufchen Elend. Da erscheint mir die Philosophie der South Park Macher doch einleuchtender: Kot mag man als Abfall ansehen, aber es lässt sich nicht leugnen, das ohne Kot keine Leben möglich ist. Fachlicher und stilvoller wäre es hier Empedokles und seine Philosophie des Kosmos aus Hass und Liebe zu nennen.
Damit hätten wir also alle drei Teile der perfekten Maschine: Fehler (Verschleiß), Offenheit (Latenz) und Heterogenität (Gegensätzlichkeit).

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