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In den kommenden Pässen sollen nicht nur die Daten gespeichert werden, die schon jetzt in den aktuellen Pässen zu finden sind, sondern es ist geplant die Fingerabdrücke der jeweiligen Person mit in den Pass zu integrieren. Hierdurch wird eine Grenze überschritten, mit der sich die Relation von Staat und Volk verändert. Stand vormals der Staat im Dienste des Volkes, so wird nun das Volk selbst zum Feind des Staates.

…der Bürger als potenzieller Straftäter
Der Schritt zur Verwendung der Fingerabdrücke begrenzt sich nicht mehr auf die Identifizierbarkeit des einzelnen Bürgers. Mit diesem Schritt wird der Bürger als potenzieller Straftäter definiert, noch bevor er oder sie in irgendeiner Form aktenkundig geworden ist. Auch die klassische Ausrede des „Wer nichts zu verbergen hat, muss sich nicht fürchten“ greift hier nicht. Denn Fingerabdrücke sind kein Geheimnis. Wir tragen sie immer mit uns und hinterlassen sie an allen Orten. Es kann also nicht von einem Eingriff in die Privatsphäre gesprochen werden – somit werden auch keine persönlichen Informationen aufgedeckt. Gerade dies ist aber das Problem an der Verwendung von Fingerabdrücken. Gerade weil sie öffentlich sind, gerade weil man sie immer und überall hinterlässt, sind sie ein Teil der Identität, zu dessen Schutz der Staat sich verpflichtet hat. Ein Staat schützte auch in der Vergangenheit die Bürger nicht als Personen in ihrer privaten Sphäre, sondern in ihrer öffentlichen Eigenschaft als Bürger des Staates. Der Staat kann nur schützen, was in seinen Bereich fällt. In allen anderen Bereichen kann der Staat höchstens beratende Funktionen übernehmen.

so wie Keywords in einer Datenbank
Während andere Daten, wie Größe, Haarfarbe, Geburtsort oder Name in ihrer Form eine neutrale Kategorisierung darstellen, ist der Fingerabdruck direkter Verweis auf eine bestimmte Person. In seiner Form ist er auch das einzige Merkmal, das als Zeichen für bzw. durch die jeweilige Person entstanden ist. Die Zahlen zur Beschreibung der Größe oder die Farben zur Bezeichnung der Augenfarbe sind dagegen allgemeine Begriffe, so wie Keywords in einer Datenbank. Die Eigenschaft von Keywords ist es, das sie öffentlich sind und ihre Bezeichnung auf eine Vielzahl von Objekten verteilen, die sich unter diesen Keywords subsumieren. Mit der Einbringung des Fingerabdrucks stellt der Pass also erstmals einen direkten und persönlichen Bezug zum Halter des Passes her. Diese ist eine Eigenschaft, die nicht mal vom Passbild geleistet werden konnte. Denn auch wenn das Passbild die Person darstellen soll, so erzeugt das Bild doch nur einen sehr vagen Hinweis auf das Aussehen der Person. Nicht umsonst gibt es kaum Menschen, die finden, das sie ihrem Passbild (oder ihr Passbild ihnen) ähnlich sehen.

Rechtlichkeit des Passes zum Gesetz
Die Aufgabe eines Passes ist es nicht, eine Person durch den Pass identifizierbar zu machen, sondern die Rechtlichkeit des Passes zum Gesetz zu klären. Es geht nicht darum, mit dem Pass Zugriff auf eine Person zu erhalten. Der Pass ist nichts anderes als ein Dokument, das Auskunft über sich selbst gibt. Wird z.B. eine Person gesucht und bei einer Passkontrolle der Pass dieser Person gefunden, so bedeutet dies zuerst nur, dass diese Person den gesuchten Pass bei sicht führt, nicht aber dass diese Person die gesuchte Person ist. Ein anderes Beispiel wäre, dass eine Person mit einem gefälschten Pass erwischt wird. Auch hier geht es um die rechtliche Gültigkeit des Passes als Dokument, nicht um die Person. Letzteres erklärt auch, warum der Staat selbst in der Lage ist, Pässe zu fälschen (z.B. für verdeckte Operationen). Die Fälschung durch den Staat wird indirekt legitimiert, da es sich um eine Fälschung handelt, die autorisiert – und daher eine „echte“ Fälschung ist. Mit der Einbringung des Fingerabdrucks in den Pass ändert sich dieses Verhältnis.

Identifizierung direkt über die hinterlassenen Spuren
Doch warum findet hierdurch eine Kriminalisierung statt? Mit der Einführung des Fingerabdrucks verweist der Pass nicht mehr nur auf sich selbst, sondern auch direkt auf den Halter des Passes. Konnte der Beamte bisher nur die Daten des Passes mit den Daten im Computer vergleichen, so kann er nun die Daten im Computer direkt mit dem Fingerabdruck des Passträgers vergleichen. Denn der Pass ist, im weiteren Rahmen, nicht nur das Dokument, welches wir in unserer Tasche tragen, sondern auch die Daten, welche über uns erfasst werden und mit denen der Pass verglichen wird. Mit dieser Option wird der Passträger direkt als Halter des Passes identifizierbar. Hinterlassen wir in Zukunft irgendwo einen Fingerabdruck, so kann dieser mit diesen Daten verglichen werden. Es ist also nicht mehr nötig den Pass bei sich zu führen. Es reicht völlig aus, etwas zu berühren um seine Identität in einer Weise bekannt zu machen, die der Staat vorher nicht zuordnen konnte. Solange nicht konnte, bis man aktenkundig wurde. Mit der Erfassung von Daten, die eine Identifizierung direkt über die hinterlassenen Spuren möglich machen, werden alle Bürger in den Status der Duldung versetzt. Der Staat nimmt hiermit an, dass es nötig ist, alle Bürger direkt durch ihre Spuren zu überwachen, anstatt sich damit zu begnügen nur den rechtlichen Status des Bürgers im Allgemeinen festzustellen.

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