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Eigentlich war es eine gute Idee und es steckte dahinter sicher auch eine gute Absicht, doch dann wurde daraus eine Fettnäpfchen besonderer Größe.

Vor kurzem machten sich die Blogpiloten (Piloten? Scheinbar alles Männer. Frauen verboten?) dazu auf, unter dem Titel “Frauen an die Macht!” eine Auswahl an Blogs von Frauen vorzustellen. Der Titel des Beitrags ist schon richtig gewählt. Denn auch wenn die deutsche Bloggerszene der amerikanischen noch hinterher hinkt, bedeutet bloggen auch hierzulande einen Machtfaktor, den man nicht unterschätzen sollte.

Leider dürften die Autorinnen der vorgestellten Blogs alles andere als glücklich über diesen Artikel sein. Denn anstatt einen Einblick in die weibliche Blogger Sphäre zu bieten, verfällt der Artikel in einen abgestumpften Sexismus. Bereits der erste Satz “Die Blogwelt ist männlich.” bietet die erste Plattitüde und lässt damit das Niveau des Beitrag sinken. Sollte es hier nicht eigentlich um bloggende Frauen gehen?

Es ist schwer zu verstehen, warum der Autor, anstatt sich auf sein Thema zu konzentrieren, lieber mit einer flachen Polemik, den Beitrag in einen völlig anderen Bereich drängt. Wenn man Kritik an männlichen Blogger äussern möchte, so kann man dies gerne tun. Niemand wird bezweifeln, das es Blogs von Männern gibt, die narzisstisch, präpotent oder stumpf sind. Allerdings wird auch niemand bezweifeln, das es eben solche Blogs auch von Frauen gibt. Mit diesem Gedanken liest man weiter im Beitrag und stößt auf Zitate von Nicole Simon, die sich wie folgt lesen:

Frauen sind vorsichtiger - oder: Männer sind unvorsichtiger -, wenn es darum geht, einfach loszubloggen oder auszuprobieren. Jeder, der jemals Support gemacht hat, weiß, dass Frauen sagen “Ich würde gerne X machen, kann ich dabei was kaputtmachen?” während Männer sagen “Ich habe nix gemacht! Aber jetzt geht nichts mehr!”

Und vor allem - Männer haben Zeit und Lust, sich mit aus Frauensicht unwichtigen Themen zu beschäftigen. Da sich die sichtbare Blogosphäre bevorzugt um solche Themen kümmert und verlinkt, ist es kein Wunder, wenn das eine sich selbst befeuernde Sache ist.

Es ist das “Auto-Problem”: Männer können sich den ganzen Tag mit Karren beschäftigen, Frauen wollen von A nach B kommen. Männer kümmern sich um PS, Spoiler und die Lackierung - Frauen wollen wissen, wie sie die Karre einparken können und ob sie den Einkauf verstauen können.

Ich bin mir nicht sicher, wann sie diese Ausssagen getroffen hat, aber es dürfte in den frühen 80er Jahren gewesen sein. Zumindest hoffe ich das, denn heutzutage sollte niemand mehr mit “Frauen sind…” “Männer sind…” aufwarten. Natürlich könnte es auch sein, das sowohl der Autor als auch Nicole Simon, hier nur ihren persönlichen Problemen Luft machen wollten.

Eine Kategorisierung der Geschlechter, wie sie im Beitrag “Frauen an die Macht!” vertreten wird, ist nicht nur eine grobe Diskriminierung von Frauen und Männern, darüber hinaus ist es auch eine Beleidigung der Bloggerinnen, die dort vorgestellt werden sollten. Es ist geradezu unfassbar, das 2007 immer noch Frauen als Hausmütterchen die sich um den Einkauf kümmern und Männer als Spolier-geile Autofetischisten vorgestellt werden. zu allem übel endet der Beitrag mit den Worten:

(…) Spieltrieb. Und der ist bei uns Männern nunmal [sic] größer als bei jedem anderen Wesen auf diesem Planeten …

Also haben Frauen weniger Spieltrieb? Wahrscheinlich deshalb weil sie sich, wie der Blogpilot sagt, ” weniger in der sichtbaren Welt der Blogs verknüpfen”. Eine wunderbare Aussage. Frauen haben weniger Spieltrieb und wenn sie es nicht bis nach oben schaffen, dann ist es ihre eigene Schuld, denn sie verknüpfen sich nicht oft genug. Wie sagt der Autor so schön “wie im richtigen Leben”. Ich glaube diesen Grad an Sexismus und Verblendetheit kann man nur schwer übersteigen.

Es wäre sicherlich sinnvoller gewesen die Entwicklungen des Feminismus und der Gender Studies zu honorieren. Es wäre sicherlich besser gewesen, genauer auf die Bloggerinnen einzugehen. Es wäre wundervoll gewesen, hätte der Beitrag die weibliche Blog Spähre in ihren Besonderheiten und Eigenheiten vorgestellt. Warum der Autor es statt dessen für nötig hielt Jahrzehnte des Kampfes, der Arbeit, des Enthusiasmus und der Hingabe durch Feminismus und Gender Studies, mit Füßen zu treten, ist völlig unverständlich.

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2 Antworten zu “Sexismus bei den Blogpiloten?”

  1. #1 Ryo sagt:

    “Warum der Autor es statt dessen für nötig hielt Jahrzehnte des Kampfes, der Arbeit, des Enthusiasmus und der Hingabe durch Feminismus und Gender Studies, mit Füßen zu treten, ist völlig unverständlich.”

    Wieso ?
    Weil er die Wahrheit sagt ?
    Tut mir leid aber bei schätzungsweise 90% der Frauen ist das genau so wie beschrieben. Das ist weder schlimm noch sexistisch.
    Es gibt eben mal generelle Unterschiede. Wenn es nicht so wäre, dann würden zumindest Heteros wohl kaum eine Freude an Beziehungen haben, Frauen wie Männer.

  2. #2 Muffinman sagt:

    Tut mir leid, aber da habe ich andere Erfahrungen gemacht. Ich arbeite im Bereich der Gender Studies und die Frauen und Männer die ich kennen leiden weder unter mangelndem Spieltrieb noch zeichnen sie sich durch irgend ein Merkmal aus, das man als “schlecht weil Mann” oder “schlecht weil Frau” abtun könnte.

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